Suffizienz als Business Case?

Suffizienz Cloud

Themencloud aus: "Ausgepowert. Das Ende des Ölzeitalters als Chance" von Marcel Hänggi

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsfragen wird viel über Effizienzsteigerung als Mittel zur Ressourcenschonung gesprochen. Motoren, Häuser und Lampen, die weniger Energie verbrauchen, sind sicher wünschenswert, aber die globalen Umweltprobleme können so nicht gelöst werden. Insbesondere dann nicht, wenn davon ausgegangen wird, dass bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien in der gleichen Weise am „Wohlstand“ teilhaben, wie es westlichen Länder vormachen. So allmählich mehren sich Anzeichen dafür, dass grundlegend andere Modelle notwendig sind, um das Überleben auf dem Planeten langfristig zu ermöglichen. Suffizienz, also Verzicht heisst das Zauberwort. Im Grunde ist es eine banale Erkenntnis, dass man sich bei schwindenden Ressourcen einschränkt. Dass auch in Wirtschaftskreisen darüber nachgedacht wird, wie man die Lebensqualität mit „Weniger“ erhalten kann, ist bemerkenswert. So wurden in letzter Zeit eine Reihe von Büchern und Artikeln zu Suffizienzstrategien veröffentlicht, und es finden Veranstaltungen zu diesem Themenfeld statt. Die Öbu organisierte bspw. im Rahmen ihrer Jahreskonferenz das Forum Weniger ist mehr – Das Geschäftsmodell der Suffizienz bei dem auch Wirtschaftsvertreter über Strategien des „Weniger“ referierten. Die vorgestellten Geschäftsmodelle basierten auf Regionalisierung, Entschleunigung und Erhöhung der Produktlebensdauer durch Reparatur-Services. Die Abgrenzung von Effizienz- und Suffizienzstrategie scheint dabei nicht immer eindeutig. Wirklich weniger Dinge werden produziert, wenn die Menschheit weniger kauft. Der No shopping day kann dazu einen Beitrag leisten. Das Erfreuliche ist, dass der Einzelne durch Reduktion von Dingen die Lebensqualität durchaus steigern kann – durch weniger Arbeit auch. Beides gerecht zu verteilen, stellt die grosse Herausforderung dar.
Alexandre Robert

Nutzen statt Besitzen

Collaborative Consumption

Auch auf der re:publica 12 in Berlin war "Collaborative Consumption" ein Thema

Vom 2. bis 4. Mai fand in Berlin bereits zum sechsten Mal die Konferenz re:publica statt, bei der ganz unterschiedliche Themen im Zusammenhang mit der „Digitalen Gesellschaft“ diskutiert wurden. Neben deutschen „Web 2.0-Stars“ wie Sascha Lobo (Autor) und Daniel Domschelt-Berg (OpenLeaks), trugen insgesamt 270 internationale Sprecherinnen und Sprecher bspw. aus Ägypten, Afrika, Indien und den USA zur Veranstaltung bei. Wer nicht vor Ort war, hatte die Möglichkeit per Live-Stream die Geschehnisse zu verfolgen und sich selbstverständlich via Blog und Twitter an Diskussionen zu beteiligen. Sämtliche Vorträge sind als Video auf der Website verfügbar. Das Thema „Nutzen statt Besitzen“ wurde von Michelle Thorne in ihrem Vortrag Designing for Collaborative Consumption behandelt. Ihre Kernaussage lautet, dass es höchste Zeit ist, die Kultur des „Design for the dump“ zu ersetzten durch eine netzbasierte Kultur der gemeinsamen Nutzung von Dingen.

„Unlike any other generation, we can better provide and share infrastructure thanks to network technology. We can buy, build, and collaborate locally and efficiently. We can shop smarter, share better, and use our networks, both online and off, to reduce waste, improve the economy and environment, spare our bank accounts, and even have a good time and make new friends doing it.“

Am Ende ihres etwas lang geratenen Vortrages gab sie Beispiele dafür, welches Potential der Sharing-Gedanke für die Produkt- und Servicekonzeption (Design) bereithält. Es wird spannend werden zu sehen, welche Unternehmungen diese Ideen aufnehmen. Auch die Entwicklung der Bedeutung des Wortes Wealth (Vermögen, Reichtum, Wohlstand,…) wird in diesem Zusammenhang aufschlussreich sein.
Alexandre Robert