Nachhaltige Marken finden

rank a brand

Kinderarbeit,  Umweltsünden, Energieverschwendung: Wie hält es die Marke damit?

Die Initiative „Rank a Brand“ existiert in Deutschland seit 2011. Mittlerweile gibt es auch eine iPhone-App sowie eine mobile Version. Zur Zeit können auf rankabrand.de ca. 400 Verbrauchermarken aus 25 Branchen in Bezug auf ihre soziale und ökologische Nachhaltigkeit verglichen werden. Die Marken sind in Kategorien wie „Mode“, „Elektronik“ aber bspw. auch „Reisen“ unterteilt. Zur Bewertung werden Informationen und Kennzahlen der Hersteller sowie auch von Dritten (bspw. Carbon Disclosure Project oder Fairtrade International) herangezogen. Unternehmen, die keine Angaben zur Nachhaltigkeit ihrer Produkte machen, bekommen die schlechteste Bewertung. Dies kann im Einzelfall zu unstimmigen Ergebnissen führen. Auf jeden Fall wird Transparenz honoriert und welches Unternehmen kann es sich heute noch erlauben, nichts zu den Herstellungsbedingungen zu sagen. So verstehen auch die Macher den Sinn des Brandrankings.

„Unser Ziel ist es zu sensibilisieren: Markenhersteller für Unternehmensverantwortung und Transparenz. Verbraucher für Nachhaltigkeit und ihre Einflusskraft.“

Die Bewertungen werden mittlerweile auch auf anderen Plattformen wie barcoo.com und wegreen.de genutzt. Bleibt zu hoffen, dass sich „Rank a brand“ weiter verbreitet und an Einfluss gewinnt. Immerhin schmückt sich der Lebensmittelkonzern Rewe auf seiner Website bereits mit dem dritten Rankingplatz „C“. Da geht doch noch was.
Alexandre Robert

Fair Online Shoppen

Fairnopoly

Gefiltert werden kann bspw. nach: fair, öko und gebraucht

Am 24. September war offizieller Start des alternativen Online-Markplatzes Fairnopoly. Wie der Name vermuten lässt, sieht sich Fairnopoly als Alternative zu Ebay, Amazon sowie Zalando und möchte in erster Linie fair gehandelte und ökologische Produkte unters Volk bringen. Die Verkaufsprovision auf faire Produkte ist mit 3% daher nur halb so hoch wie auf herkömmliche Produkte. Ausserdem erhalten Nutzer so genannte Fair Share Points, die zu Sonderleistungen auf der Plattform berechtigen. Organisiert ist Fairnopoly als Genossenschaft. Durch niedrige Mindesteinlagen von 50 und einer Obergrenze von 10.000 Euro soll gewährleistet werden, dass die Anteile breit gestreut sind und Grossinvestoren draussen bleiben. Der Zeitpunkt für die Lancierung eines alternativen Online-Marktplatzes scheint gut gewählt. Selbst auf der diesjährigen CeBIT war Crowdsourcing und Nachhaltigkeit ein grosses Thema. Die etablierten Branchengiganten geraten immer mehr in die Kritik. Insbesondere im Textilbereich wächst die Nachfrage nach „guten“ Produkten stetig.
Beim Crowdfunding war das Berliner Start-up bereits erfolgreich. Insgesamt wurden 210.000 Euro über den Crowdinvest-Anbieter Startnext gesammelt. Jetzt wird es darauf ankommen, Kunden zu finden, die online nachhaltig einkaufen. Der Autor wünscht der Genossenschaft viel Erfolg und hofft, dass sie auch bei Hosting und Logistik Wege finden, Ressourcen zu schonen und die Online-Gemeinde vor ungezügeltem Shopping zu bewahren.
Alexandre Robert

Giftige Migros-Kinderjacken

Migrosregenjacke

Giftgrüne Reissverschlüsse sorgen für lebhafte Diskussionen

Das Einzelhandelsunternehmen Migros, dass sich mit seiner Initiative „Generation M – Versprechen an die Generation von morgen“ zur unternehmerischen Verantwortung bekennt und dies auch marketingmässig ausspielt, muss sich mit dem Vorwurf auseinandersetzten, dass Kinderjacken der Eigenmarke „Trevolution“ gesundheitsschädigende Stoffe enthalten. Greenpeace hat nach eigenen Aussagen in Tests nachgewiesen, dass in bestimmten Kinderjacken hohe Konzentrationen von Giften enthalten sind.

„Neue Labortests zeigen, dass Migros-Kinderjacken alarmierende Mengen an Giftstoffen enthalten. Schockierend hoch sind insbesondere die Schadstoffkonzentrationen in den Reissverschlussanhängern, die den gesetzlichen Grenzwert für Spielzeuge und Babyartikel um bis zu 600 Mal überschreiten! Besonders problematisch ist, dass Kinder genau solche Anhänger gerne in den Mund nehmen. Seit Juni 2012 bemüht sich Greenpeace intensiv darum, mit der Migros eine einvernehmliche Detox-Lösung zu finden. Mit deiner Hilfe wollen wir die Migros überzeugen, endlich auf eine giftfreie Kleiderproduktion umzustellen.“

Greenpeace fordert nun dazu auf, dass Migros schnell handelt und verspricht keinerlei Schadstoffe in ihren Produkten zu tolerieren. Wer die Forderung untersützen möchte, kann dies per Telefon oder Email-Formular erledigen:  Fordere dein Migros-Versprechen ein! Auch auf der Migros-Community-Seite Migipedia wird rege über das Thema diskutiert. Erfreulicherweise scheint keine Zensur stattzufinden.
Alexandre Robert (aus dem regenfreien Kalifornien)

Buy a Pair, Give a Pair

Warby Parker, Buy a pair, Give a pair

Klare Sicht für alle. Für jede gekaufte Brille wird eine Brille gespendet.

Der amerikanische Brillenhersteller Warby Parker, der schöne Brillen zu erschwinglichen Preisen anbietet, tut Gutes und nutzt Social Media, um dies zu verbreiten. Mit ihrer Initiative Buy a Pair, Give a Pair tragen sie dazu bei, dass Brillenbedürftige, die sich keine Sehhilfe leisten können (ca. 1 Milliarde Menschen), klar sehen. Für jede verkaufte Brille wird von Warby Parker eine an Bedürftige gespendet. Sie kooperieren dabei mit Non-Profit-Organisationen, die lokale Kleinunternehmer ausbilden und in die Lage versetzten die Brillen anzupassen und zu verkaufen. So wird die Lebensqualität und die Chancen im Erwerbsleben von Menschen mit Sehschwierigkeiten verbessert. Bisher wurden über 150.000 Brillen geliefert und somit über 300.000 Menschen zu besserer Sicht verholfen. Der Begriff „A pair of glasses“ bekommt so eine zusätzliche Bedeutung.

„Approximately one billion people don’t have access to affordable glasses. Glasses can increase one’s income by 20%, enable students to see a blackboard and offer dignity to those with poor eyesight. Warby Parker works with experienced non-profit partners to ensure that each sale of our frames will give someone in need access to affordable glasses.“

Um auf die Initiative aufmerksam zu machen, wurde im letzten Jahr ein Video auf Youtoube und Vimeo veröffentlicht. Zudem nutzt Warby Parker Twitter und Facebook, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Dies dient natürlich nicht allein der Initiative, sondern logischerweise auch dem Kerngeschäft und dem Ansehen der Marke. Ein schönes Beispiel für eine „Triple-Win-Situatiion“ und unternehmerische Verantwortung.
Alexandre Robert

Plugin filtert Kinderarbeit

aVOIDplugin

Filter für Gut und Böse – wenn es nur so einfach wäre, eine solche Datenbank zu unterhalten

Die Browser-Erweiterung (Plugin) aVOID sorgt dafür, dass bei einigen der grössten Online-Handelsplattformen für Bekleidung die Produkte der Unternehmen, die Kinderarbeit unterstützen, nicht angezeigt werden. Das Plugin greift dabei auf die Datenbank der Initiative Aktiv gegen Kinderarbeit (dahinter steht der Verein EarthLink) zu. Dort sind bisher 152 Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, England und den USA gelistet, von denen einige Kinderarbeit zulassen, oder sich nicht klar zum Thema Kinderarbeit äussern. Nach Aussagen des Plugin-Anbieters werden bei den Online-Händlern Asos, Yoox, Amazon, Target, Macys, Zalando, Google Shopping, Frontlineshop und Otto insgesamt 1,2 Millionen Artikel nicht angezeigt, wenn das Plugin installiert ist. Kinderarbeit ist insbesondere in der Bekleidungsindustrie eine leider immer noch weit verbreitete Produktionsform. Es wird geschätzt, dass weltweit 215 Millionen Kinder unter 15 Jahren zur Arbeit gezwungen werden. Allerdings wächst heute durch zunehmende Transparenz im Web der Druck auf die Unternehmen Kinderarbeit zu unterbinden. Oliver Kießling von EarthLink sagt dazu:

“Die Sorge um das eigenen Image führt bei großen Unternehmen zu verstärkten Bemühungen im Kampf gegen Kinderarbeit. Die meisten großen Firmen haben mittlerweile entsprechende Corporate-Responsibility-Vorgaben oder sogar eigene Verhaltenskodizes. Die Kontrolle wird vielerorts von den Firmen selbst übernommen. Hier wäre eine unabhängige Kontrollinstanz wünschenswert. Die Konsequenzen bei Verstößen durch Handelspartner reichen von Korrekturmaßnahmen bis zum Abbruch der Geschäftsbeziehungen.“

Die Idee eines solchen Filters, der die Konsumenten beim verantwortungsvollem Online-Shopping unterstützt, ist grandios. Allerdings ist das Ganze nur dann sinnvoll und fair den Unternehmen gegenüber, wenn die Qualität der Datenbank stimmt. Beim Blick in die „Aktiv gegen Kinderarbeit“-Liste kommen da doch Zweifel auf, da einige Daten oberflächlich erhoben sind. Wenn die Wirkung des Plugins für gefilterte Unternehmen von Bedeutung ist, tun sie gut daran, dafür zu sorgen, dass die Angaben aktualisiert werden. Es wird bei diesem Beispiel deutlich, welche Rolle Filter und Suchmaschinen im Netz einnehmen und welche Verantwortung den Anbietern zufällt.
Alexandre Robert 

Auftragsblogger demaskieren

Apple attorney McElhinny delivers his opening statement in trial between Samsung and Apple in San Jose, California

Überall Smartphones, aber es wird gemalt – bezahlte Blogger hingegen sind zu benennen

Die Gerichtsverhandlung im Streit „Wer hats erfunden“ zwischen Apple und Samsung darf nicht abgelichtet werden. Im Java-Patentstreit zwischen Google und Oracle will Richter William Alsup jedoch grosstmögliche Transparenz. In einer Verfügung vom 7.8.2012 fordert er beide Parteien auf, alle Autoren, die sich im Rahmen des Rechtsstreits geäussert haben und auf der Paylist stehen, zu nennen – dies gilt auch für bezahlte Blogger. Weil heute alles so durchsichtig ist, gibt es die Verfügung online. Der amüsante Text lautet:

„The Court is concerned that the parties and/or counsel herein may have retained or paid print or internet authors, journalists, commentators or bloggers who have and/or may publish comments on the issues in this case. Although proceedings in this matter are almost over, they are not fully over yet and, in any event, the disclosure required by this order would be of use on appeal or on any remand to make clear whether any treatise, article, commentary or analysis on the issues posed by this case are possibly influenced by financial relationships to the parties or counsel. Therefore, each side and its counsel shall file a statement herein clear identifying all authors, journalists, commentators or bloggers who have reported or commented on any issues in this case and who have received money (other than normal subscription fees) from the party or its counsel during the pendency of this action. This disclosure shall be filed by Noon on Friday, August 17, 2012.“

Die öffentliche Auseinandersetzung hat direkt nichts mit dem Thema dieses Blogs zu tun. Aber indirekt eben schon, handelt es sich meines Wissens nach um den ersten Fall gerichtlich verordneter Offenlegung von Auftragsbloggern. Ist das gut oder schlecht für die Transparenz von Unternehmenskommunikation?
Alexandre Robert 

Intransparente Banken

Bank of Intransparency

Etwas Grün vor der Tür langt nicht – Bank of Intransparency wäre der passendere Name

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International veröffentlichte kürzlich die Transparenz-Rangliste der 105 grössten börsennotierten multinationalen Konzerne. Die Unternehmen wurden auf Basis öffentlich zugänglicher Daten bewertet. Besonders schweigsam sind die Unternehmen, was ihre erwirtschafteten Gewinne im Ausland angeht. Dies gilt insbesondere für Geschäftstätigkeit in armen Ländern mit fragwürdigen Regierungsstrukturen. Im Bericht  Transparency in Corporate Reporting werden auch einzelne Branchen gesondert analysiert. Der Finanzsektor erweist sich dabei als besonders intransparent. Die vierundzwanzig analysierten Institute kommen im Durchschnitt nur auf den schlechten Wert 4,2. Die Vorsitzende von Transparency International Deutschland Edda Müller kommentiert dies folgendermassen:

„Die Studie belegt erneut, dass wir mehr Regulierung und verbindliche Berichtsstandards für den Finanzsektor brauchen. Banken sollten ihre Beteiligungsstrukturen und nationalen Finanzkennzahlen vollständig offenlegen. Man kann nicht Steuergelder zur Rettung kassieren und sich gleichzeitig weigern öffentlich zu dokumentieren, dass man ordentlich seine Steuern zahlt.“

Die intransparentesten Unternehmen stammen ebenfalls aus der Finanzbranche. Schlusslicht ist Bank of China (1,1). Auf den vorletzten Platz hat es die gleichfalls in China beheimatete Bank mit dem schönen Namen Bank of Communications (1,7) geschafft. Gerüchte, dass ein Rebranding in „Bank of Intransparency* geplant ist, wurden bislang nicht bestätigt.
Alexandre Robert 

Best Global Green Brands

bestglobalgreenbrands

Was will die Interbrand-Illustration sagen? Digitale Vernetzung – Marken in den Köpfen?

Bereits zum zweiten Mal erstellte die Branding Agentur Interbrand ein Ranking der grünsten Marken. Wie im Vorjahr auch, nimmt Toyota den ersten Platz ein. Die Methodik der Bewertung ist interessant. Zum einen werden die tatsächlichen Bemühungen der Unternehmen ihre Nachhaltigkeit zu verbessern anerkannt (Performance-Ebene). Zum anderen geht die Wahrnehmung einer Marke durch die Konsumenten in die Beurteilung ein (Wahrnehmungs-Ebene). Dabei erzielen einige Marken wesentlich höhere Werte auf der Performance-Ebene. Nokia, Siemens und Xerox bspw. scheinen besser zu sein als es wahrgenommen wird. Es verwundert nicht, dass andere Marken ganz im Sinne eines „sauberen“ Greenwashings grüner wahrgenommen werden, als sie tatsächlich sind. Zu diesen gehören bspw. McDonald’s, Microsoft und Ikea. Die Liste der ersten zehn macht deutlich, dass bzgl. Nachhaltigkeits-Performance lediglich der Weg zur Verbesserung bzw. die eingeleiteten Massnahmen bewertet werden.

  1. Toyota
  2. Johnson & Johnson
  3. Honda
  4. Volkswagen
  5. Hewlett-Packard
  6. Panasonic
  7. Dell
  8. Siemens
  9. Danone
  10. BMW

Die Ergebnisse der Bewertung aller fünfzig Marken sind auf Best Global Green Brands einsehbar. Es werden die Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr sowie eine Kurzzusammenfassung der Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit und der Kommunikation dargestellt. Zudem wird die Methodik der Bewertung erläutert. Besonders das, was Jez Frampton, Interbrand’s Global CEO im Interview (1:30) zur Bedeutung der sozialen Medien sagt, lässt den Autor aufhorchen:

„In todays world of social networking, you can get found out very quickly if you’re saying you are green but you are not – and on the converse if you are doing well, you really should letting your market know. It’s a powerful driver of people wanting to buy your products now.“

Was auch immer man von Marken-Rankings halten mag, es ist erfreulich, dass die grossen Agenturen und Consulting-Firmen beginnen, den Markenaspekt von Nachhaltigkeit ernst zu nehmen. Die Bedeutung von Social Media auch in diesem Kontext nimmt zu – ob die Unternehmen das realisieren oder nicht.
Alexandre Robert

WWF im Dialog

Der WWF im Dialog

Schön grün, schlecht zu lesen und keine Verlinkung – auch NGOs können noch lernen

Auch Non Profit Organisationen können im Mitmach-Web Gegenwind abgekommen. So traf im letzten Sommer ein Shitstorm den WWF. Auslöser für die heftigen Winde war die Ausstrahlung des Dokumentarfilms „Der Pakt mit dem Panda“, im dem Teile der Organisation bzw. deren Aktivitäten als umweltschädlich dargestellt werden. Der Film wurde mehrfach wiederholt und ist natürlich auch im Web verfügbar. Ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, sei dahingestellt. Das Web ist voll mit Diskussionen zu dieser Frage, zudem hat der WWF in Form eines Faktencheck klar Stellung zum Film genommen. Bemerkenswert ist, dass der WWF völlig überrascht schien, und trotz Kenntnis über die bevorstehende Ausstrahlung des Films, auf die heftige Kritik im Web nicht vorbereitet war. Zeitweise wusste man sich abermals nicht anders zu helfen, als die Kommentarfunktionen zu sperren. Einen Artikel dazu gibt es bspw. bei Michael Friedrich. Hunderte Kommentare sind in Form eines Screencasts auf Youtube einsehbar (Pause drücken). Pünktlich zum Erscheinen des Buches „Schwarzbuch WWF“, das vom gleichen Autor wie der Film stammt, lancierte der WWF nun letzte Woche eine Plattform, die dem direktem Dialog auch ausserhalb von Facebook dient. Neben Themenbereichen wie Tiere, Wald, Wasser, Klima, Ernährung gibt es auch einen Bereich, in dem über das WWF selbst gesprochen wird. Bisher hält sich die Beteiligung noch in Grenzen, was sicher auch daran liegt, dass die Plattform noch nicht bekannt ist. Lobenswert ist der Ansatz allemal, und er bietet die Chance verlorengegangenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Bei der konkreten Gestaltung könnte durchaus noch optimiert werden. Der Erfolg jedoch wird von der Qualität der Beiträge – der „User“ sowie der WWF-Schreibenden abhängen.
Alexandre Robert 

Deine Sicht auf unsere Dinge

Migipedia

Politisch korrekt Einkaufen ist nicht einfach – Transparenz-Versuche bei Migros

Die Konsumentenplattform des Schweizer Detailhandelsunternehmen Migros mit dem witzigen Namen Migipedia ist nun schon bald zwei Jahre alt. Die Aufmerksamkeit, die die Plattform beim Start erhielt, ist längst verflogen. Kritiker sprechen von einem Flop, da sich nur wenige Konsumenten beteiligen und die Inhalte wenig tiefgründig sind. In der Tat kreisen viele Diskussionen um Produktdetails, die sich nur echten Fans erschliessen – bspw. Geschmackvarianten von Eistee. Dem Unternehmen kann man zur Qualität der Beiträge ihrer Kunden sicherlich keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, es ist innovativ und mutig eine solche Plattform bereitzustellen, und sich auf den Dialog einzulassen. Insbesondere deshalb, weil auch Meinungen zu sozialen, ökologischen und politischen Aspekten zu Wort kommen. So wurde kürzlich auf Migipedia kritisiert, dass Migros ankündigt, Produkte aus israelisch besiedelten/besetzten Gebieten als solche zu kennzeichnen. Der User „Ted Aldi“ hat bspw. folgende Meinung ins Forum Deklaration von Lebensmitteln gestellt:

„Wichtig ist für mich persönlich erst mal, aus welchem Teil der Welt die Produkte stammen. […] Es gibt immer noch viele schwarze Schafe unter den Lieferanten und Produzenten in Bezug auf Umweltschutz, Gift, Kinderarbeit, Zwangsarbeit. […] Die Israelgeschichte ist eine rein politische und da soll sich die Migros nicht einmischen. Solange die Migros noch „EU“ auf Fleischverpackungen schreiben kann (und die EU besteht seit einigen Jahren leider nicht mehr aus lebensmitteltechnisch vertrauenswürdigen Ländern wie die Niederlande) sehe ich die Israel-Aktion als leider längst wieder salonfähig gewordenen Antisemitismus.“

Das Migipedia-Publikum scheint sich für politisch korrektes Einkaufen nur am Rande zu interessieren. Zumindest beschränkt sich die Diskussion im Forum auf wenige Beiträge. Allerdings findet das Thema auf anderen Migros-Sites Beachtung. Auf der Online-Version der Kundenzeitschrift „Migros Magazin“ wird der NZZ Artikel Die wahren Feinde Israels, der die Kennzeichnungsthematik aufnimmt, rege kommentiert. Social Media und Unternehmenskommunikation sind nach wie vor für alle Beteiligten ein neues Terrain. Unternehmen, die die Tür aufmachen, wissen nicht was passiert und viele potentielle Interessierte beteiligen sich bislang nicht. Es ist davon auszugehen, dass Migros die gemachten Erfahrungen verarbeitet, und weitere Schritte im Mitmachweb gehen wird. Vielleicht wäre ja die Kombination des Migros Magazins mit Migipedia ein solcher. Meiner Meinung nach liegt viel Potential in der Kombination von Experten-Wissen mit dem sogenannten Schwarm-Wissen.
Alexandre Robert