Sharing ganz einfach

Pumpipumpe

Aufkleber auf den Briefkasten und die Nachbarn wissen, was sie leihen können

Sharing Plattformen gibt es mittlerweile viele. In diesem Blog wurden schon einige vorgestellt (siehe Schlagwörter). Allen gemein ist, dass sie in erster Linie lokal funktionieren. Das „METEOR Collectif“ aus Bern hat nun eine wunderbar einfache Idee, Dinge in der Nachbarschaft gemeinsam zu nutzen. Ihr Projekt nennt sich Pumpipumpe. Auf der Webseite kann man Aufkleber bestellen, auf denen Dinge wie beispielsweise Beamer, Bohrmaschine, Leiter, Schneeschuhe oder WLAN abgebildet sind. Möchte man seine Besitztümer an Nachbarn verleihen, klebt man den entsprechenden Aufkleber einfach auf seinen Briefkasten. Alles Weitere ist dann untereinander zu vereinbaren.

„Ein Sharing-System muss auf sehr einfache Art und Weise funktionieren und mit geringem Aufwand für alle Teilnehmenden verbunden sein. Zu Teilen darf keine Anstrengung sein, sondern muss die soziale Interaktion sowie den damit verbundenen Spass und möglichen Profit für jeden in den Vordergrund stellen.“

Die Idee ist so einfach wie genial und funktioniert auch ganz ohne Strom und Netz. Es wäre natürlich auch denkbar, dass Google Street View die Briefkästen darstellt und einen „Produktkatalog“ anbietet. Aber eigentlich ist es ja erfreulich, dass gute Ideen auch mit minimalen Mitteln umgesetzt werden können.
Alexandre Robert 

Zeit ist Kohle(ndioxid)

SBB Umweltrechner

Entschleunigung als ein Kriterium der Suffizienz

Das Bahnreisen umweltverträglicher sind als Reisen mit Auto oder Flugzeug ist ja hinlänglich bekannt. Was fehlt, ist die Anschaulichkeit, wieviel CO2 und wieviel Energie denn tatsächlich verblasen werden. Bei SBB und DB Bahn gibt es sehr schöne Umweltrechner, die dem Reiselustigen die jeweiligen Werte anzeigen. Bei der Bahn können wahlweise CO2, Energieverbrauch, Feinstaub und diverse Luftschadstoffe angezeigt werden. Die SBB zeigt ebenfalls die CO2-Werte sowie den Energieverbrauch an. Zusätzlich jedoch auch die „nutzbare“ und „nicht nutzbare Zeit“. Es bleibt im Ermessen des Reisenden zu beurteilen, ob eine Autofahrt, bei der bspw. Telefonate geführt werden, sinnvoll genutzte Zeit darstellt. Der Autor findet den Ansatz, die Reisezeit und deren Qualität mit in die Berechnung einfliessen zu lassen, grossartig. Im Rahmen von persönlichen Suffizienz-Strategien (siehe dazu Suffizienz als Business Case) können die Umweltrechner sehr nützlich sein. Sie fallen einem in den Online-Fahrplänen nicht sofort ins Auge, aber es lohnt sich, danach zu suchen und sie bei der nächsten Reiseplanung auszuprobieren – schöne Reise.
Alexandre Robert 

Suffizienz als Business Case?

Suffizienz Cloud

Themencloud aus: "Ausgepowert. Das Ende des Ölzeitalters als Chance" von Marcel Hänggi

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsfragen wird viel über Effizienzsteigerung als Mittel zur Ressourcenschonung gesprochen. Motoren, Häuser und Lampen, die weniger Energie verbrauchen, sind sicher wünschenswert, aber die globalen Umweltprobleme können so nicht gelöst werden. Insbesondere dann nicht, wenn davon ausgegangen wird, dass bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien in der gleichen Weise am „Wohlstand“ teilhaben, wie es westlichen Länder vormachen. So allmählich mehren sich Anzeichen dafür, dass grundlegend andere Modelle notwendig sind, um das Überleben auf dem Planeten langfristig zu ermöglichen. Suffizienz, also Verzicht heisst das Zauberwort. Im Grunde ist es eine banale Erkenntnis, dass man sich bei schwindenden Ressourcen einschränkt. Dass auch in Wirtschaftskreisen darüber nachgedacht wird, wie man die Lebensqualität mit „Weniger“ erhalten kann, ist bemerkenswert. So wurden in letzter Zeit eine Reihe von Büchern und Artikeln zu Suffizienzstrategien veröffentlicht, und es finden Veranstaltungen zu diesem Themenfeld statt. Die Öbu organisierte bspw. im Rahmen ihrer Jahreskonferenz das Forum Weniger ist mehr – Das Geschäftsmodell der Suffizienz bei dem auch Wirtschaftsvertreter über Strategien des „Weniger“ referierten. Die vorgestellten Geschäftsmodelle basierten auf Regionalisierung, Entschleunigung und Erhöhung der Produktlebensdauer durch Reparatur-Services. Die Abgrenzung von Effizienz- und Suffizienzstrategie scheint dabei nicht immer eindeutig. Wirklich weniger Dinge werden produziert, wenn die Menschheit weniger kauft. Der No shopping day kann dazu einen Beitrag leisten. Das Erfreuliche ist, dass der Einzelne durch Reduktion von Dingen die Lebensqualität durchaus steigern kann – durch weniger Arbeit auch. Beides gerecht zu verteilen, stellt die grosse Herausforderung dar.
Alexandre Robert