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Migipedia

Politisch korrekt Einkaufen ist nicht einfach – Transparenz-Versuche bei Migros

Die Konsumentenplattform des Schweizer Detailhandelsunternehmen Migros mit dem witzigen Namen Migipedia ist nun schon bald zwei Jahre alt. Die Aufmerksamkeit, die die Plattform beim Start erhielt, ist längst verflogen. Kritiker sprechen von einem Flop, da sich nur wenige Konsumenten beteiligen und die Inhalte wenig tiefgründig sind. In der Tat kreisen viele Diskussionen um Produktdetails, die sich nur echten Fans erschliessen – bspw. Geschmackvarianten von Eistee. Dem Unternehmen kann man zur Qualität der Beiträge ihrer Kunden sicherlich keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, es ist innovativ und mutig eine solche Plattform bereitzustellen, und sich auf den Dialog einzulassen. Insbesondere deshalb, weil auch Meinungen zu sozialen, ökologischen und politischen Aspekten zu Wort kommen. So wurde kürzlich auf Migipedia kritisiert, dass Migros ankündigt, Produkte aus israelisch besiedelten/besetzten Gebieten als solche zu kennzeichnen. Der User „Ted Aldi“ hat bspw. folgende Meinung ins Forum Deklaration von Lebensmitteln gestellt:

„Wichtig ist für mich persönlich erst mal, aus welchem Teil der Welt die Produkte stammen. […] Es gibt immer noch viele schwarze Schafe unter den Lieferanten und Produzenten in Bezug auf Umweltschutz, Gift, Kinderarbeit, Zwangsarbeit. […] Die Israelgeschichte ist eine rein politische und da soll sich die Migros nicht einmischen. Solange die Migros noch „EU“ auf Fleischverpackungen schreiben kann (und die EU besteht seit einigen Jahren leider nicht mehr aus lebensmitteltechnisch vertrauenswürdigen Ländern wie die Niederlande) sehe ich die Israel-Aktion als leider längst wieder salonfähig gewordenen Antisemitismus.“

Das Migipedia-Publikum scheint sich für politisch korrektes Einkaufen nur am Rande zu interessieren. Zumindest beschränkt sich die Diskussion im Forum auf wenige Beiträge. Allerdings findet das Thema auf anderen Migros-Sites Beachtung. Auf der Online-Version der Kundenzeitschrift „Migros Magazin“ wird der NZZ Artikel Die wahren Feinde Israels, der die Kennzeichnungsthematik aufnimmt, rege kommentiert. Social Media und Unternehmenskommunikation sind nach wie vor für alle Beteiligten ein neues Terrain. Unternehmen, die die Tür aufmachen, wissen nicht was passiert und viele potentielle Interessierte beteiligen sich bislang nicht. Es ist davon auszugehen, dass Migros die gemachten Erfahrungen verarbeitet, und weitere Schritte im Mitmachweb gehen wird. Vielleicht wäre ja die Kombination des Migros Magazins mit Migipedia ein solcher. Meiner Meinung nach liegt viel Potential in der Kombination von Experten-Wissen mit dem sogenannten Schwarm-Wissen.
Alexandre Robert 

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